Audio-Editing

Erste Schritte für ein erfolgreiches Audio-Editing.

Hinweise für das Nachbearbeiten von Naturhörbildern in der Musiktherapie.

Was ist Audio Editing?

So wie wir ein Textdokument bearbeiten können, ist es auch möglich mit einem Audio- Editing-Programm Tondokumente zu gestalten. Es gibt viele dieser Programme Gratis im Internet. Im Folgenden weise ich auf einige hilfreiche Schritte im Arbeiten mit WavePad Sound Editor (www.nch.com).

WAV oder MP3?

Digitale Aufnahmegeräte können meist in beiden Formaten aufnehmen. WAV ist CD- Qualität, MP3 hingegen ist komprimiert, d.h. es werden Frequenzanteile unterdrückt oder weggelassen. Gesprächsaufnahmen oder Festhalten von Improvisationen im Musiktherapie-Zimmer können wir gut, und es ist oft auch praktisch, im MP3-Format erstellen. Hochwertige Aufnahmen welche wir weiter verarbeiten zu CDs, oder welche wir in der rezeptiven Arbeit verwenden, sollten hingegen in WAV erstellt werden. Um MP3-Formate zu bearbeiten können wir WavePad Editor verwenden, oder spezielle MP3-Audio-Editing-Programme benutzen (www.mp3directcut.com). Letztere haben den Vorteil, dass die MP3-Dokumente nicht zuerst in WAV konvertiert werden, und nach der Bearbeitung erneut in MP3 verwandelt werden müssen. Dies bedeutet stets ein Qualitätsverlust. Hinweis: Entscheide vor der Aufnahme welches Format für den Zweck dieser Dokumentation geeignet ist. Im Zweifelsfall WAV.

Gut aufgenommen ist halb bearbeitet!

Je besser die Aufnahme vorbereitet wird, umso weniger gibt es nachzubearbeiten. Lauschen braucht Zeit, Nachbearbeiten noch viel mehr! Deshalb lohnt es sich den Standort des Mikrofons geduldig und horchend auszusuchen. Oft verändert eine kleine Umplatzierung des Mikrofons das Klangbild stark. Vielleicht entspricht die Position des Mikrofons nicht der visuellen Ästhetik, jedoch der auditiven. Es lohnt sich eine kurze Probeaufnahme zu machen, und bevor wir definitiv aufnehmen, die Probe schon einmal anzuhören. Ist es so wie ich es mir vorstelle? Wenn wir mit musikalischen Produktionen in der Natur arbeiten, so ist es günstig vom Aufnahmebeginn an einige Sekunden verstreichen zu lassen und erst dann mit Singen und Spielen zu beginnen. Ebenso nach Abschluss die postmusikalische Stille zuzulassen. So wird es einfacher zu schneiden. Jede Aufnahme soll im Hörprotokoll festgehalten werden, so dass wir im Nachhinein eine einfache Übersicht haben.

Kabel, Kabelsalat und Stativ

Um Allzeit bereit zu sein für die Aufnahmen lohnt es sich die Kabel schön zusammen zu rollen, die Mikrofone mit Halterung zu versehen und die Batterien des Aufnahmegerätes aufzuladen, lieber zuviel Speicherplatz als zuwenig mitnehmen. Lange Mikrofonkabel sollen mit XLR-Stecker versehen sein und werden sorgfältig zusammengerollt und mit einem Taschentuch zusammengebunden. So vermeiden wir den leidigen Kabelsalat. Mikrofonständer dienen für lange dauernde Aufnahmen. Wird das Mikrofon von Hand gehalten, ist es möglich, dass wir die Muskelspannung des Armes als tieffrequentes Geräusch auf der Aufnahme hören. Die kleinen Aufnahme- geräte können auch gut mit den beweglichen Kleinstativen an einen Ast geklemmt werden. Tiere verhalten sich oft anders in der Präsenz von Menschen, deshalb sind positionierte Mikrofone geeignet und wir können uns gut 100 Meter davon entfernen (Klangfalle).

Einmal aufgenommen – was nun?

Als erstes katalogisieren wir die Aufnahme: Wann? Was? Wie? Wo?
Wir speichern das Tondokument auf CD oder einer externen Festplatte. Tondokumente sind oft gross und überfüllen die Festplatte. Einmal ausgewählt sind wir nun bereit zur Bearbeitung. Es stellt sich die Frage, was will ich? Soll es ein Playback-Hörbild werden? Will ich ein bestimmtes Motiv heraus kopieren, z.B. Soundporträt? etc.

Die Arbeit am Computer beginnt

Audio Editing braucht Zeit, einen ruhigen Platz und Geduld. Im WavePad Sound Editor können wir über die Menutaste ins Menu File gelangen. An 2. Stelle finden wir Open File, Enter, und gehe mit TAB zu Suchen In. Hier kann ich das gewünschte File auswählen und öffnen. Es wird nun in das Audio Editing Programm geladen. Ist das Tondokument auf einer CD gespeichert, finde ich im Menu File: Load CD Track und verfolge diesen Weg. Lange Tondokumente brauchen viel Zeit um in das Audio Editing Programm geladen zu werden.

Hinweis: Achte darauf wenn es möglich ist, dass die Aufnahmen nicht länger als 50 Minuten sind.

Schneiden, Verstärken, Fadein, Fadeout

Dies sind die ersten Funktionen die wir am meisten benötigen. Über die Leertaste kann ich das Abspielen des Tondokumentes starten. Am Punkt wo ich die initialen Geräusche abschneiden möchte, stoppe ich mit der Leertaste. Mit der Pfeil nach links Taste kann ich zurückspulen, mit der Pfeil nach rechts Taste kann ich vorspulen. Dasselbe kann natürlich auch mit der Maus gemacht werden.

Nun gehe ich über die Menutaste zu Editing und da auf Select to Start, dann Enter. Nun ist der zu löschende Bereich markiert. Nun gehe ich wieder über die Menutaste zu Editing, hier zu Delete, dann Enter. Jetzt geht es weiter, ich markiere alles mit Ctrl-A und höre mir die Aufnahme durch Drücken der Leertaste an.

Naturaufnahmen sind oft zu leise und wir müssen sie verstärken. Wenn wir auf dem Monitor sehen können, dass es keine herausragenden Spitzen hat, die wesentlich lauter sind als der Durchschnitt, so kann ich mit der Funktion Normalisieren den Lautstärkepegel der ganzen Aufnahme anpassen. Ich markiere alles mit Ctrl-A, gehe über die Menutaste zu Effects und wähle Normalize aus. Mit dem TAB gehe ich auf Presets und wähle mit der Pfeiltaste Nach Unten – Normale Audio Level aus. Durch klicken auf OK arbeitet das Programm die Aufnahme durch und die Aufnahme ist auf das Maximum angehoben. Eine 2. Variante der Verstärkung , ist jene über Menutaste: Effects, Amplify, Enter. Hier können wir mit dem TAB auf Presets und mit der Pfeiltaste die Verstärkung auswählen und gleich anhören.

Hinweis: Die Funktion Verstärkung hebt Nutz- und Störgeräusche an.
Einmal ausgewählt können wir durch Klicken auf OK die ganze Aufnahme verstärken. Am Ende der Aufnahme angekommen, wählen wir durch Drücken der Leerstaste aus, wo geschnitten werden soll. Über die Menutaste Editing gehe ich auf: Select to End und dann Enter. Nun ist der zu löschende Schluss der Aufnahme markiert. Erneut über die Menutaste Editing gehe ich auf Delete, dann Enter. Um nun wieder zur Aufnahme zurück zu gelangen wähle ich das ganze Dokument durch Ctrl-A aus.

Die Aufnahme ist in ihrer Rohfassung bereit. Für das Sounddesign verwenden wir Fade in und Fadeout, also an- und abschwellen. Ich spiele durch Drücken der Leertaste die Aufnahme ab, und bestimme die Länge des Zeitraumes in welcher die Aufnahme anschwellen soll. Durch drücken der Leertaste setze ich den Cursor. Ich markiere diesen Bereich über Menu, Editing, Select to Start, Enter. Jetzt lasse ich das Fadein ausführen: Menutaste, Effects, Fade In, Enter. Über Drücken der Leertaste kann ich das Fadein anhören. Bin ich damit einverstanden, gehe ich zum ganzen Tondokument zurück über Ctrl-A. Durch Drücken der Endtaste, kommen wir an das Ende der Aufnahme. Hier können wir durch wiederholtes Drücken der Pfeil nach links Taste zurückspulen und über Menu, Editing, Select to End, Enter den Abschnitt festlegen. Nun führen wir das Fadeout aus: Menu, Effects, Fadeout, Enter. Durch Ctrl-A sind wir wieder in der ganzen Aufnahme. Das An- und Abschwellen einer Aufnahme soll auch in einem musikalischen Sinne zu dem was dazwischen liegt einen Bezug haben.

Hinweis: Gestalte das Fadein und Fadeout hörend

Sichern der bearbeiteten Aufnahme

Nun sind wir in der glücklichen Lage unsere erste bearbeitete Aufnahme sichern zu können. Bald werden wir sie in unserer Arbeit benutzen. Über die Menutaste gehen wir zu File und zu Save as, Enter. Es erscheint der Name welchen wir mit B1 (Bearbeitung 1) oder mit einem neuen Namen versehen können. Durch TAB kommen wir zur Liste der Formate. Hier Wav auswählen und dann mit TAB weiter zu Speichern In und hier den Zielort auswählen. Weiter mit TAB bis zu Speichern, Enter. Es erscheint ein neues Feld, da weiter mit TAB bis Attribute, hier mit der Pfeil nach Unten Taste 44.1 KHz 16 Bit Stereo auswählen und dann mit TAB auf OK, Enter. Nun wird das File gespeichert.

Das bearbeitete Tondokument kann nun wie gewohnt auf CD gebrannt werden. Wer über Windows Media Player Audio-Dokumente brennt, soll darauf achten, dass die importierten Files nicht automatisch auf MP3 verwandelt werden (Qualitätsverlust). Deshalb ist es besser, solche Musikprogramme nicht zu verwenden. Das Tondokument kann in einem separaten Ordner, z.B. Audiostudio unter eigenen Dateien abgelegt werden. Da können wir es anklicken und über die Menutaste, Datei, Senden an, CD Laufwerk, Enter, und von da aus brennen.

Hinweis: Fehlt es uns an Zeit so ist es hilfreich computerbegeisterte Freunde einzu- beziehen.
Über die Menutaste Help finden wir detaillierte Informationen zu allen Themen des WavePad Sound Editors.

Wiedergabe

Der Kreislauf: Aufnahme – Verarbeitung schliesst sich mit der Wiedergabe. Bevor wir die Aufnahme mit Patienten verwenden, hören wir diese auf der Anlage des Musiktherapie-Raumes an. Wie tönt sie? Ist das, was ich zeigen wollte hörbar? Wo befindet sich im Zimmer der Punkt des schönen Hörens? Ist die Aufnahme eventuell geeignet für das gemeinsame Abhören mit Kopfhörern? Wie laut soll die Aufnahme abgespielt werden? Ist meine Stimme noch hörbar wenn ich dazu spreche? Ist die Aufnahme noch hörbar wenn wir dazu musizieren?

Beim Abhören der Aufnahme im Musiktherapie-Zimmer entstehen oft neue therapeutische Einfälle.

Weniger ist mehr! So werden wir erfolgreich im Audio Editing.

Wolfgang Fasser Musiktherapeut SFMT, AIM

www.wolfgangfasser.ch info@wolfgangfasser.ch

Publiziert auf www.iltrillo.org und www.wolfgangfasser.ch

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