BERUFSKODEX für Musiktherapeuten

BERUFSKODEX für Musiktherapeuten in der DGMT verabschiedet

                                                 von Holger Ehrhardt – Rößler

Mitte der 90 er Jahre haben Vorstand und Präsidium (heute Delegiertenversammlung) die ersten Entwürfe für einen Berufskodex Musiktherapie, Kapitel Ethik-Kodex, erarbeitet.

Die Koordination übernahm das ehemalige Vorstandsmitglied und die z.Zt. amtierende Beauftragte des Vorstands der DGMT für Berufskodex und Ausbildung, Frauke Schwaiblmair.

Etwa zeitgleich erarbeitete die EMTC ( European Music Therapy Conference) einen Ethik-Kodex für die Tätigen in der Musiktherapie.

Die Kasseler Konferenz musiktherapeutischer Vereinigungen in Deutschland (KK) fasste den Beschluss, diesen Ethik-Kodex als verbindliche Grundaussagen für alle Mitgliedsverbände in der KK anzunehmen.

Der Vorstand der DGMT, namentlich Andreas Blase und Hans Ulrich Schmidt, hat mit der Delegiertenversammlung der DGMT das erste Kapitel Berufskodex, Kapitel EthikKodex, aus den o.g. Vorlagen und Vorgaben in die hier vorliegende Fassung gebracht.

In der Verantwortung als Mandatsträger haben die Mitglieder der Delegiertenversammlung den Wortlaut der vorliegenden Fassung am 3.11.2001 in Berlin beschlossen.

(Auszug aus dem Protokoll der DV vom

3./4.11.2001 TOP 2)

Damit ist der Berufskodex, Kapitel Ethik-Kodex, für die Mitglieder der DGMT als verbindlich anzusehen.

Weitere Kapitel sind angedacht. Sie werden Aussagen über personelle und räumliche Bedingungen für freiberuflich tätige Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten, Qualitätsstandards, evtl. eine Beschwerdestelle für Klienten und eine Ethikkommission etc. enthalten.

Berufs- und Ethik-Kodex Musiktherapie Deutsche Gesellschaft für Musiktherapie

Prämisse

Der Berufskodex gilt als Richtlinie für das Handeln tätiger Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten (im folgenden die männliche Form zur leichteren Lesbarkeit), die der Deutschen Gesellschaft für Musiktherapie (im folgenden DGMT genannt) angehören.

Auftrag

Auftrag ist es, Menschen zu behandeln, die Mittel der Musiktherapie insbesondere für Prävention und Rehabilitation benötigen.

Ziel ist es, die körperliche, seelische und geistige Gesundheit zu erhalten, – wenn möglich – wiederherzustellen und zu verbessern. Musiktherapeuten etablieren und fördern die Verwendung von Musik in der Therapie.

Die Förderung der Selbstkompetenzen, wie Selbständigkeit, Selbstverantwortung und Selbsthilfe ist ein wesentliches Anliegen musiktherapeutischer Behandlung. Dies geschieht unter Berücksichtigung insbesondere medizinischer, psychologischer, psychotherapeutischer und pädagogischer Grundsätze. Fort- , Weiterbildung und Kenntnis des aktuellen Forschungsstandes sind zentrales Anliegen.

Schweigepflicht

Musiktherapeuten unterliegen der Schweigepflicht, d.h. sie schützen die Vertraulichkeit des Geschehens in der Praxis, Supervision, Forschung und im Unterricht in Bezug auf mündliche, schriftliche, auditive und visuelle Daten.

Haltung

Die Musiktherapeutische Haltung wird geprägt von einem humanistischen Menschenbild mit holistischem Therapieansatz. Musiktherapeuten respektieren die Individualität und Würde jedes Menschen und achten lebensgeschichtlich gewachsene Eigenheiten und daraus resultierende soziale Bindungen und Bedeutungszusammenhänge.

Ethik-Kodex

Präambel

Der Ethik-Kodex basiert auf den Kasseler Thesen vom 4. Juli 1998.

Die Musiktherapeuten üben ihre Tätigkeit in sozialer und rechtsstaatlicher Verantwortung aus. Sie sind zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der eigenen Person, mit der therapeutischen Aufgabe sowie mit jenen Menschen, mit denen sie durch musiktherapeutische Behandlung in eine besondere Beziehung eintreten, gefordert.

Der Ethik-Kodex dient dem Schutz der Patienten/Klienten vor unethischer Anwendung der Musiktherapie, der Handlungsorientierung und dem Schutz der eigenen Berufsrolle.

§1 Gültigkeit des Ethik-Kodex

Die folgenden ethischen Richtlinien gelten für die Musiktherapeuten der DGMT. Der Ethik-Kodex regelt      grundsätzliche Fragen im Rahmen der Tätigkeit der Musiktherapeuten.

§2 Allgemeine Berufspflichten

Die Musiktherapeuten verpflichten sich, die Tätigkeit stets im Rahmen professioneller Standards auszuüben.

§3 Berufsbezeichnung

Die DGMT trägt Sorge dafür, dass ihre Mitglieder die Berufsbezeichnung Musiktherapeut/Musiktherapeutin nicht missbräuchlich verwenden. Die DGMT strebt an, die Berufsbezeichnung Musiktherapeut/ Musiktherapeutin gesetzlich regeln zu lassen.

§4 Umgang mit Patienten/Klienten

Musiktherapeuten haben die Verpflichtung, mit dem Vertrauens- und Abhängigkeitsverhältnis in der therapeutischen Beziehung sorgsam umzugehen. Eine Verletzung dieses Verhältnisses liegt dann vor, wenn Musiktherapeuten ihre Aufgabe und Verantwortung gegenüber Patienten vernachlässigen, um ihre persönlichen, z.B. emotionalen, sexuellen, sozialen oder unangemessenen wirtschaftlichen Interessen zu befriedigen. Musiktherapeuten verpflichten sich, jede Art von Machtmissbrauch zu unterlassen. Musiktherapeuten arbeiten auf der Grundlage einer Vereinbarung, die im wesentlichen folgende Übereinkünfte enthält:

Art der musiktherapeutischen Methode und Setting, Umfang und mutmaßliche Dauer der Behandlung, finanzielle Bedingungen der Behandlung, Schweigepflicht

§5 Verantwortung gegenüber Studierenden/Praktikanten und Supervisanden   –

Selbsterfahrung im Rahmen der musiktherapeutischen Ausbildung, Praktikumsanleitung und Supervision sind von Therapie zu trennen.

§6 Schweigepflicht und Datenschutz

Die Musiktherapeuten haben über alle persönlichen Daten der Klienten Verschwiegenheit zu wahren. Die Aufnahme von Ton- und Bildmaterial und deren Verwendung zu Ausbildungs- und Publikationszwecken bedürfen der Genehmigung des Patienten.

§7 Kollegiales Verhalten

Die Mitglieder aller an der Kasseler Konferenz beteiligten Verbände pflegen kollegiales Verhalten und Kooperation. Herabsetzende Äußerungen über Kollegen, der missbräuchliche Umgang mit deren Ideen und geistigem Eigentum sind unzulässig. Bei Konflikten sind einvernehmliche Lösungen anzustreben.

§8 Fortbildung, Qualitätssicherung

Die Mitglieder der DGMT verpflichten sich zu Fortbildung, regelmäßigem fachlichem Austausch und Supervision ihrer beruflichen Praxis.

§9 Forschung

Bei Durchführung von Forschungsvorhaben sind folgende Anforderungen einzuhalten: Aufklärung der beteiligten Personengruppe, Einhaltung von Datenschutz und Schweigepflicht, Achtung des geistigen Eigentums anderer Kollegen und wertschätzender Umgang mit den Ergebnissen.

§10 Werbung

Musiktherapeuten der DGMT verpflichten sich, nur im Rahmen geltender Bestimmungen des Gesundheitswesen über ihre Berufsausübung zu informieren.

Dieser Ethik-Kodex entspricht dem Kodex der Kasseler Konferenz und der EMTC.

Vorstand und Delegiertenversammlung 

Deutsche Gesellschaft für Musiktherapie

Libauer Straße 17

10245 Berlin

Berlin am 04.11.2001

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