Spiritualität und Therapie

Spiritualität und Therapie

von Gabriele Frick-Baer, Udo Baer

Oft werden wir gefragt: „Setzt ihr einen bestimmten Glauben voraus?“, „Wie haltet ihr es mit der Spiritualität?“,“ Arbeitet ihr auf einer bestimmten spirituellen Grundlage?“, „Finde ich bei euch auch als Christin (oder Buddhistin oder …) eine therapeutische Heimat?“

Unsere Antwort: Wir sind keine Glaubensgemeinschaft. Aber in der Therapie kann – und manchmal muss – der Glauben als bedeutungsvolles Thema der Klientin, des Klienten seinen Platz haben. Therapie respektiert Spiritualität, setzt aber keinen Glauben, keine bestimmte Art von Spiritualität voraus. Wir orientieren uns auf die Kompetenz der KlientInnen hin und unterstützen ihre Fähigkeit, ihren eigenen Weg der Spiritualität zu entdecken bzw. weiterzuentwickeln.

Dabei haben sich unsere Überzeugungen herausgeschält, z. B.:

  • Spiritualität ist für uns nichts Abgehobenes, sondern etwas Bodenständiges; sie gibt Sicherheit und Geborgenheit.
  • Spiritualität hat viel mit den Bewegungen des Erlebens, den von uns so genannten Leibbewegungen, zu tun: sie richtet sich nicht nur in die Weite, sondern auch nach innen, in Herz und Bauch und Mitte; sie strebt nicht nur himmelwärts, sondern auch zu den Füßen, zum Boden hin; sie orientiert sich nicht nur auf direktem Wege, sondern oft im Zick-Zack, in Schnörkeln, auf Umwegen.
  • Spiritualität ist vom Kern her undogmatisch, radikal subjektiv und eigenwillig; auch wenn sich die meisten Menschen am Glaubens- und Gedankengut anderer Menschen, an kulturellen und religiösen Strömungen orientieren, so ist doch das, was sie auswählen und wie sie es für sich nutzen, höchst individuell.
  • Spiritualität, wie Menschen sie in der Therapie entdecken oder bekräftigen, richtet sich gegen alles, was Menschen die Würde nimmt, in Gedanken oder in Taten.
  • Spiritualität wohnt Kraft inne: z. B. gegen Entwürdigung zu revoltieren oder Menschen zu beheimaten und zu verbinden, Sinn zu stiften.‘
  • Spiritualität ist ein Prozess, spirituelle Entwicklung ist Teil der Entwicklungsgeschichte eines jeden Menschen.

Therapie ist keine Glaubensgemeinschaft. Therapie kann aber unterstützen, den eigenen Weg des Glaubens zu finden, ob in einer Gemeinschaft oder auf andere Weise.

erschienen in Zukunftswerkstatt aktuell, Sept. 2003

Dieser Artikel wurde mir mit freundlicher Genehmigung des Autors zur Veröffentlichung auf dieser Webseite frei gegeben.

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