Tinnitus

Hinweise für Tinnitus-Betroffene

von Prof. Dr med. B. Kellerhals

 

Wer an Tinnitus leidet, verliert leicht jeden Mut.Die nachfolgenden Hinweise möchten Ihnen helfen, einen gangbaren Weg aus der scheinbaren Hoffnungslosigkeit zu finden.

  1. Jeder langdauernde Tinnitus erfordert eine gründliche ärztliche Abklärung. In den wenigsten Fällen ergibt diese eine heilbare Tinnitus-Ursache, aber eine der seltenen schwerwiegenden Ursachen muss ausgeschlossen werden. Es ist für Sie wichtig zu wissen, dass der Tinnitus kein Anzeichen einer bedrohlichen Krankheit ist.
  2. Wie finden Sie heraus, welche Behandlung oder welche Hilfsmittel für Sie die Richtigen sind? Versuchen Sie nicht, von Arzt zu Arzt und von Therapeut zu Therapeut zu wandern in der Hoffnung, vielleicht doch noch jemanden zu finden, welcher Ihnen den Tinnitus wegnimmt. Kein Tinnitus ist gleich wie der andere. Darum gibt es keine schematische Behandlung, schon gar nicht ein generell tinnituswirksames Medikament. Von den unzähligen vorgeschlagenen Behandlungsmethoden sind zwar jeweils über einzelne Erfolge berichtet worden, aber keine – ärztliche oder nicht-ärztliche Behandlungsmethoden darf für sich in Anspruch nehmen, für alle Tinnitus-Kranken wirksam zu sein. Was Frau Müller angeblich geholfen hat, braucht für Sie nicht das Richtige zu sein. Es geht um Ihren Tinnitusl
  3. Setzen Sie sich das richtige Ziel. Dieses darf nicht darin liegen, den Tinnitus zu bekämpfen und mit allen Mitteln zu versuchen, ihn zum Schweigen zu bringen. Ihr Ziel muss vielmehr darin liegen, Ihrem Tinnitus den Stachel zu nehmen. Tausende von Tinnitus-Betroffene können bezeugen, dass man mit Tinnitus leben kann, wenn man sich dieses neue Ziel setzt. Es kann nicht von einem Tag auf den andern erreicht werden – aber trotz gelegentlichen Rückfällen in Resignation oder Selbstmitleid bleibt es ein erreichbares Ziel. Das Erreichen dieses Ziels ist Ihre Aufgabe, von andern können Sie nur Hilfe zu Selbsthilfe erwarten.
  4. Basis dafür ist eine gründliche Aufklärung. Je mehr Sie über Ihren Tinnitus wissen, desto besser sind Ihre Aussichten, mit ihm zurechtzukommen. Sie erhalten diese Aufklärung beim Ohrenarzt, in Büchern und Schriften, wie Sie beispielsweise von der Schweiz. Tinnitus-Liga empfohlen werden, aber auch an den Informationsveranstaltungen der Tinnitus-Liga. Die Mitglieder der Tinnitus-Liga erhalten zudem die Zeitschrift „Tinnitus-Forum“, welche regelmässig über Neues auf dem Gebiet des Tinnitus berichtet.
  5. Der zweite Schritt zur Besserung besteht darin, das Umfeld des Tinnitus zu säubern. Alles, was den Tinnitus verstärkt, sollte gebessert werden, seien dies medizinische Faktoren (Nacken/Rücken-Probleme,Probleme des Kauapparates, innermedizinische Krankheiten, Schwerhörigkeit, Schwindel), seien dies äussere oder innere Stress-Faktoren, welche Ihr Gleichgewicht stören. Sorgen verschlimmern den Tinnitus, aber der Tinnitus ist nicht schuld an Ihren Sorgen! Ihr Arzt kann Sie beraten und unterstützen. Auch nicht-ärztliche Therapeuten verschiedenster Richtungen bieten Behandlungsmethoden an, das Umfeld günstig zu beeinflussen. Aber bleiben Sie kritisch. Es ist nicht einfach, unter den alternativen Therapien Sinnvolles von Sinnlosem zu unterscheiden. Je mehr eine Methode zu können vorgibt, desto verdächtiger wird sie. Bleiben Sie aber auch bei Ihrem Arzt kritisch. Lassen Sie sich nicht mit einem Rezept für ein Beruhigungsmittel abspeisen, denn das wäre keine echte Lösung für Ihr Problem. Sie müssen spüren, ob Ihnen eine bestimmte Methode gut tut, dann ist sie richtig für Sie, auch wenn Ihr Tinnitus vielleicht weiter besteht. Überlegen Sie sich, was Sie in Ihrem Leben zu Ihren Gunsten verändern könnten – alles was Ihnen hilft, hilft Ihnen auch bei der Bewältigung Ihres Tinnitus-Leidens.
  6. Der letzte Schritt der Tinnitus-Bewältigung wäre, mit Ihrem Tinnitus Frieden zu schliessen. Er wird Sie vielleicht weiter begleiten, aber Ihr Wohlergehen nicht mehr stärker beeinträchtigen. Tinnitus kann von den untergeordneten Himzellen weggefiltert werden, so wie Sie z.B. das Ticken einer Uhr zwar immer hören aber selten bewusst wahrnehmen.
  7. Selbsthilfegruppen, wie sie von der Schweiz. Tinnitus-Liga organisiert werden, können eine wesentliche Hilfe sein. Sie lernen, dass Sie mit Ihren Tinnitus-Problemen nicht allein dastehen, und im Rahmen einer solchen Selbsthilfegruppe wird es Ihnen leichter fallen, den Prozess zur Tinnitus-Bewältigung in Angriff zu nehmen. Adressen von Selbsthilfegruppen in Ihrer Umgebung erhalten Sie bei der Schweiz. Tinnitus-Liga.

Sie haben mit Ihrem Tinnitus keine leichte Aufgabe zugeteilt bekommen. Nehmen Sie sie aber mit Zuversicht in Angriff. Die Schweizerische Tinnitus-Liga wünscht Ihnen von Herzen viel Mut und gutes Gelingen.

SCHWEIZERISCHE TINNITUS-LIGA (STL)
Gemeinnützige Selbsthilfeorganisation
Postfäch
CH-8052 Zürich

Sekretariat: U. Bürgin Gadient, Meiengartenstr. 2, CH-8645 Jona, Tel. 055-27 42 79

Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung der Tinnitus- Liga hier veröffentlicht.

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